Rosacea


Datum: 19.10.2017

1. Übersicht: Was ist Rosacea?

Rosacea im Gesicht
Rosacea (oft auch Rosazea geschrieben) ist eine entzündliche, nicht ansteckende Hautkrankheit, die sich hauptsächlich im Gesicht zeigt. Sie kommt fast ausschließlich bei Erwachsenen vor. Rosacea äußert sich durch Hautrötungen (Erytheme) und dauerhafte, sichtbare Erweiterungen der Blutgefäße im Gesicht (Teleangiektasien). Je nach Stadium und Form treten auch Papeln und Pusteln sowie Schwellungen und weitere Symptome auf.

Die Hautkrankheit Rosacea wird auch als Kupferrose oder Akne rosacea bezeichnet. Gelegentlich wird der Begriff Couperose für eine beginnende Rosacea verwendet. Bislang herrscht in der Wissenschaft keine Einigkeit darüber, ob Rosacea und Couperose eigenständige Erkrankungen sind. Die Symptome der Couperose ähneln einer Rosacea im Anfangsstadium − es gibt jedoch auch Unterschiede.

In Deutschland entwickeln etwa zwei bis fünf Prozent der Menschen eine Rosacea. Bei Personen mit einem hellen Hauttyp (Typ I und II) tritt die Hauterkrankung häufiger auf als bei einem dunklen Hauttyp (Typ IV und V).

Kupferrose kommt sowohl bei Frauen als auch bei Männern vor. Einige Studien weisen darauf hin, dass Frauen jedoch häufiger betroffen sind. Außerdem erkranken sie im Durchschnitt deutlich früher: Die Hautprobleme beginnen bei ihnen meist ab einem Alter von etwa 35 Jahren. Männer erkranken durchschnittlich erst ab dem 50. Lebensjahr. Allerdings sind die Rosacea-Symptome bei Männern oft stärker ausgeprägt.

Mediziner unterscheiden vier Stadien der Rosacea, die sich anhand ihrer Symptome unterscheiden:

  1. Vorstadium
  2. Rosacea erythematosa-teleangiectatica
  3. Rosacea papulopustulosa
  4. glandulär-hyperplastische Rosacea

Rosacea tritt schubweise auf: Zeiten, in denen sich die Beschwerden verschlimmern, und Zeiträume, in denen sich die Rosacea-Symptome bessern oder ganz abklingen wechseln sich ab. Je nach Stadium bleiben einige Zeichen der Hauterkrankung auch während des beschwerdefreien Intervalls (Remission) bestehen − zum Beispiel anhaltende Hautrötungen oder sichtbare rote Äderchen im Gesicht.

2. Rosacea-Ursachen noch immer ein Mysterium

Obwohl es sich um eine häufig vorkommende Hautkrankheit handelt, sind die Rosacea-Ursachen noch nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich entsteht sie durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Experten gehen davon aus, dass innere und äußere Einflüsse bei der Krankheitsentstehung eine Rolle spielen.

Erbliche Rosacea-Ursachen

Rosacea ist eine Hautkrankheit mit einer erblichen (genetischen) Komponente. Das angeborene körpereigene Abwehrsystem (Immunsystem) ist an der Krankheitsentstehung beteiligt. Dieses ist eigentlich dafür verantwortlich, unbekannte Krankheitserreger zu bekämpfen. Dazu produziert es bestimmte Eiweiß-Moleküle, die antimikrobiell wirken. Darüber hinaus haben diese Eiweiße auch einen Einfluss auf das Gefäßsystem: Sie begünstigen das Wachstum von Blutgefäßen. Außerdem sorgen sie dafür, dass bestimmte entzündungsfördernde Botenstoffe freigesetzt werden. Bei Menschen mit Rosacea ist die Bildung und Wirkung dieser Eiweiße gestört.

Weitere erblich bedingte Rosacea-Ursachen sind bestimmte Rezeptoren der Hautzellen. Rezeptoren dienen zur Signalübermittlung zwischen Zellen. Menschen mit Rosacea tragen besonders viele spezielle Rezeptoren an der Oberfläche ihrer Hautzellen, die Entzündungsreaktionen vermitteln.

Besonderheiten der Blutgefäße werden ebenfalls als Rosacea-Ursachen diskutiert: Demnach führt eine erbliche Veranlagung dazu, dass die Blutgefäße im Gesicht übermäßig auf Reize reagieren: Sie erweitern sich. Durch eine gleichzeitig stattfindende Immunreaktion wird das Gewebe geschädigt. Diese Fehlregulation der Blutgefäße wird vor allem als Ursache der frühen Rosacea (erythematöse Rosacea) angesehen.

Nicht-erbliche Rosacea-Ursachen

Neben den erblichen Rosacea-Ursachen gibt es verschiedene Auslöser, die einen Schub hervorrufen können. Von besonderer Bedeutung sind dabei bestimmte Mikroorganismen: Oftmals wird eine Besiedelung der Haut mit Demodex-Milben mit einer Rosacea in Verbindung gebracht. Die auch als Haarbalgmilben bezeichneten Mikrolebewesen kommen natürlicherweise in der Haut vor. Studien zufolge ist die Haut der von Kupferrose betroffenen Menschen jedoch deutlich stärker mit Demodex-Milben besiedelt. Rosacea-Patienten entwickeln außerdem spezielle Abwehrstoffe, die zielgerichtet Haarbalgmilben bekämpfen. Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass die Besiedelung mit Demodex-Milben die bei Rosacea ohnehin vermehrten Entzündungsprozesse noch weiter anregt.

Weitere Beispiele von Rosacea-Auslösern bei einer entsprechenden Veranlagung sind unter anderem:

  • UV-Strahlung
  • Hitze
  • Kälte
  • Wechsel zwischen heiß und kalt (z.B. im Winter beim Wechsel zwischen der kalten Außenluft und beheizten Innenräumen)
  • Alkohol
  • stark gewürzte Speisen

Auch die Rosacea-Behandlung kann gleichzeitig zu den Ursachen einiger Sonderformen von Rosacea gehören:

  • Eine langanhaltende Behandlung mit Antibiotika verursacht gelegentlich eine gramnegative Rosacea
  • Bei einer anhaltenden Therapie mit Glukokortikoiden (oft verallgemeinernd als „Cortison“ bezeichnet) kann es zu einer akuten Verschlimmerung der bestehenden Rosacea kommen.

3. Rosacea-Symptome sind abhängig vom Krankheitsverlauf

Die wichtigsten Rosacea-Symptome sind die durch eine erblich bedingte Gefäßerweiterung und Gewebeschädigung verursachten Hautrötungen (Erytheme). Die Erytheme treten schubweise auf. Die Rötung bleibt meist mindestens drei Monate bestehen. Bei einem fortgeschrittenen Krankheitsverlauf ist die Haut dauerhaft gerötet.

Die anhaltende Entzündungsreaktion verursacht Pusteln und Papeln. Sind auch die Lymphgefäße von der Rosacea betroffen, sind Symptome wie Flüssigkeitseinlagerungen (Ödeme) und Hautschwellungen die Folge. Im fortgeschrittenen Verlauf vermehrt sich das Talgdrüsen- und Bindegewebe.

Die Rosacea-Symptome treten vorwiegend im Gesicht auf. Doch mit zunehmendem Krankheitsverlauf können auch angrenzende Hautpartien von der umgangssprachlich als Kupferrose bezeichneten Hauterkrankung betroffen sein, zum Beispiel:

  • Hals
  • Brust
  • Kopfhaut
  • Rücken

Die Region um die Augenhöhlen herum bleibt dagegen in der Regel ausgespart. Häufig röten sich dagegen bei Rosacea die Nase und die Wangen. Für Betroffene ist dies besonders unangenehm, denn vielen Menschen ist nicht bewusst, dass die rote Nase Zeichen einer Krankheit der Haut ist. Betroffene werden stattdessen oftmals fälschlicherweise für Alkoholiker gehalten. Die Hauterkrankung kann dadurch weitreichende seelische und gesellschaftliche Folgen haben. Daher wünschen sich Betroffene bei der Behandlung von Rosacea eine besonders schnelle Wirkung.

Welche Rosacea-Symptome auftreten, ist abhängig davon, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Mediziner unterscheiden vier Stadien der Rosacea, die sich durch unterschiedliche Symptome bemerkbar machen.

Rosacea-Stadien

Vorstadium:

Im Vorstadium verursacht Rosacea Symptome wie plötzliche, anfallsartig auftretende Rötungen (Erytheme) im Gesicht − in der Medizin als Flush bezeichnet. Bei einer beginnenden Rosacea ist die Haut plötzlich empfindlicher und oftmals trockener als früher. Häufig bemerken Betroffene, dass sie auf bislang gut verträgliche Pflegeprodukte plötzlich mit Hautrötungen reagieren.

Zu Beginn des Vorstadiums bilden sich die Rötungen wieder zurück. Im Verlauf bleiben sie jedoch immer weiter bestehen. Dieses Frühstadium wird gelegentlich mit einer Couperose gleichgesetzt. Jedoch entwickelt sich nicht aus jeder Couperose eine Rosacea.

Stadium 1: Rosacea erythematosa-teleangiectatica

Rosacea: Erythem

Credits: M. Sand, D. Sand, C. Thrandorf, V. Paech, P. Altmeyer, F. G. Bechara / PMID 20525327

In diesem Rosacea-Stadium ähneln die Symptome dem Vorstadium. Die Rötungen werden jedoch stärker und verschwinden nicht mehr von selbst. Außerdem bleibt das plötzliche Erröten durch verschiedene Auslöser (z.B. UV-Strahlung, Kälte) bestehen. Zusätzlich zeigt sich diese leichte Rosacea-Form bereits durch eine beginnende Erweiterung der oberflächlichen Blutgefäße, die sich als rote Äderchen im Gesicht zeigen. Weitere typische Rosacea-Symptome im Stadium 1 sind zum Beispiel:

  • Juckreiz
  • Hautkribbeln
  • Hitzegefühl
  • brennendes Gefühl im Gesicht
  • stechendes Hautgefühl
  • trockene Haut

Stadium 2: Rosacea papulopustulsa

Rosacea papulopustulsa

Credits: M. Sand, D. Sand, C. Thrandorf, V. Paech, P. Altmeyer, F. G. Bechara / PMID 20525327

Die papulopustulöse Rosacea geht zusätzlich den fleckigen Hautrötungen und anderen Symptomen des Stadium 1 mit Papeln und Pusteln („Pickel“) einher. Die Symptome weiten sich auf weitere Gesichtspartien aus. Oftmals schuppt sich die Haut. Darüber hinaus lagert das Gewebe häufig Lymphflüssigkeit ein (Lymphödem). Das Gesicht erscheint dadurch geschwollen.

In diesem Stadium wird die Rosacea aufgrund der Pickel häufig mit einer Akne verwechselt. Im Gegensatz zu dieser Hauterkrankung entstehen jedoch bei einer Rosacea keine Mitesser (Komedonen).

Stadium 3: glandulär-hyperplastische Rosacea/Rhinophym

Rosacea: Rhinophym

Credits: M. Sand, D. Sand, C. Thrandorf, V. Paech, P. Altmeyer, F. G. Bechara / PMID 20525327

Bei einer ausgeprägten Rosacea vermehrt sich das Binde- und Talgdrüsengewebe. Diese Gewebevermehrung kann entweder in einzelnen Bereichen oder nicht klar abgrenzbar verteilt über das Gesicht auftreten. Besonders häufig vermehrt sich das Gewebe bei einer Rosacea an der Nase. Diese Vergrößerung nennen Mediziner Rhinophym. Im Volksmund sind die Begriffe „Knollennase“ oder auch „Kartoffelnase“ geläufig. Ähnliche Gewebevermehrungen wie bei einem Rhinophym können auch an anderen Gesichtspartien auftreten, zum Beispiel:

  • am Kinn bzw. Kiefer (Gnatophym)
  • an den Ohren (Otophym)
  • an Stirn im Bereich der Nasenwurzel (Metophym)
  • am Augenlid (Blepharophym)

Besonders häufig entwickeln Männer ein Rhinophym oder andere Ausprägungen der glandulär-hyperplastischen Rosacea mit einem übermäßigen Gewebewachstum.

Sonderformen der Rosacea

Neben den klassischen Stadien gibt es verschiedene Sonderformen der Rosacea, die spezielle Symptome verursachen, die über das typische Erscheinungsbild der Kupferrose hinausgehen. Mediziner unterscheiden diese Sonderformen:

Rosacea der Augen (Ophthalmorosacea)

Bei bis zu jedem zweiten Betroffenen verursacht Rosacea zusätzlich zu den Hautproblemen Symptome an den Augen. Die Schweregrade der Haut- und Augenbeschwerden stehen dabei nicht im Zusammenhang.

Gelegentlich treten die Augenbeschwerden als erste Rosacea-Symptome noch vor den Hautveränderungen auf. Bei einigen Menschen ist die Ophthalmorosacea das vorherrschende Beschwerdebild − die typischen Rötungen oder rote Äderchen im Gesicht sind dagegen kaum oder gar nicht ausgeprägt. Dies macht es oftmals schwierig, eine Rosacea der Augen festzustellen und von anderen Augenerkrankungen zu unterscheiden.

Rosacea der Augen äußert sich durch Symptome wie:

  • trockene Augen
  • Fremdkörpergefühl
  • brennende Augen
  • vermehrtes Augentränen
  • Störungen des Tränenfilms
  • wechselnde Sehstörungen, z.B. verschwommenes Sehen, erhöhte Lichtempfindlichkeit
  • Rötung des Lidrands
  • Gerstenkorn (Horeolum)
  • Hagelkorn (Chalazion)
  • Entzündungen der Bindehaut (Konjunktivitis)
  • Lidrandentzündung (Blepharitis), ggf. mit sichtbaren Erweiterungen der Blutgefäße des Lidrands
  • Hornhautentzündung (Keratitis)
  • Lidschwellungen
  • Schwellungen im Bereich der Augenhöhle (periorbitales Ödem)

Häufig sind die Bindehaut und der Lidrand gleichzeitig entzündet (Blepharokonjunktivitis). Durch die häufigen Entzündungen können eine vermehrte Bildung von Blutgefäßen und Schädigungen der Hornhaut auftreten. Diese Folgen einer Rosacea der Augen beeinträchtigen das Sehvermögen − bei einem schweren Verlauf können Betroffene sogar erblinden.

Seltener sind andere Bereiche des Auges entzündet, etwa die Lederhaut (Skleritis) oder die mittlere Augenhaut (Uveitis).

Rosacea fulminans

Schwangerschaft

Die Rosacea fulminans tritt häufig bei jungen Schwangeren auf.

Die Rosacea fulminans wurde früher auch als Pyoderma fasciale bezeichnet. Bei dieser Sonderform der Rosacea sind die Symptome am stärksten ausgeprägt − Ärzte sprechen daher auch von der Maximalvariante der Kupferrose. Bisher wurde sie ausschließlich bei jungen Frauen beobachtet. Rosacea fulminans äußert sich durch besonders große, aufgewölbte und zum Teil ineinander übergehende Knoten und Pusteln. Die Haut ist fettig. Die Rosacea-Symptome treten an der Stirn, den Wangen und am Kinn auf und halten einige Tage bis wenige Wochen an. Meist tritt die Hauterkrankung nach dem Abheilen nicht erneut auf. Besonders häufig kommt eine Rosacea fulminans während und nach einer Schwangerschaft auf.

Steroid-Rosacea

Die Steroid-Rosacea tritt gelegentlich auf, wenn Wirkstoffe aus der Gruppe der Glukokortikoide (umgangssprachlich verallgemeinernd als „Cortison“ bezeichnet) längerfristig im Gesicht angewendet werden, zum Beispiel bei einer Neurodermitis (atopisches Ekzem). Dabei treten rote Äderchen im Gesicht, dunkle, großflächige Hautrötungen, Papeln und Pusteln als charakteristische Rosacea-Symptome sowie zusätzlich eine Verdünnung (Atrophie) der Haut auf. Die Haut spannt oftmals. Darüber hinaus findet sich in vielen Fällen eine massive Besiedelung der Haut mit Demodex-Milben. Nach Absetzen der Glukokortikoide verschlechtert sich das Hautbild meist, bevor die Rosacea-Symptome langsam abheilen.

Gramnegative Rosacea

Eine weitere Sonderform, die durch die Rosacea-Behandlung verursacht werden kann, ist die gramnegative Rosacea. Sie ist eine Folge einer lang andauernden Rosacea-Behandlung mit äußerlich (topisch) oder innerlich (systemisch) angewendeten Antibiotika. Diese bewirkt, dass nur bestimmte Bakterien auf der Haut überleben und zu einer Entzündungsreaktion führen. Typische Rosacea-Symptome dieser Sonderform sind Pusteln auf einem geröteten Grund − sie ähneln denen der Rosacea papulopustulosa (= Rosacea-Stadium 2). Die gramnegative Rosacea ist selten.

Rosacea conglobata

Auch diese Hautkrankheit tritt nur selten auf. Sie äußert sich durch große entzündete Knoten und verhärtete, teilweise blutende Flecken. Diese Form der Rosacea tritt ausschließlich im Gesicht auf und wird häufig mit einer bestimmten Akne-Form verwechselt, der Akne conglobata.

Granulomatöse (lupoide) Rosacea

Die granulomatöse oder lupoide Rosacea verursacht Symptome wie verstreute bräunlich-rote Papeln und Knöchten. Diese treten vorwiegend an den Ober- und Unterlidern des Auges, im seitlichen Wangenbereich (Jochbeinregion) und um den Mund herum auf. Die Gesichtshaut ist außerdem gerötet.

Morbus Morbihan

Bei einem Morbus Morbihan sind die Lymphgefäße vermehrt von der Rosacea betroffen. Symptome sind vor allem feste, kaum eindrückbare Schwellungen durch Flüssigkeitseinlagerungen (Ödeme). Diese treten überwiegend an den Wangen, der Nase und der Stirn auf. Diese Rosacea-Sonderform tritt besonders häufig in der Region Morbihan in der Bretagne (Frankreich) auf − daher stammt der ungewöhnliche Name.

4. Rosacea-Diagnose erfolgt beim Facharzt

Für den Laien ist es nicht einfach, Rosacea zu erkennen. Ein Spezialist (Hautarzt) kann die Diagnose anhand der Symptome meist ohne besondere Untersuchungen stellen. Allerdings gibt es viele Hauterkrankungen, die sich ähnlich äußern. Beispielsweise wird Rosacea aufgrund der Symptome teilweise mit einer Akne verwechselt. Die beiden Hautprobleme haben jedoch komplett unterschiedliche Ursachen. Außerdem kommt Akne vorwiegend bei Jugendlichen vor, während Rosacea in erster Linie ab dem 30. Lebensjahr beginnt. Weitere Hautprobleme, die einer Rosacea je nach Schweregrad und Sonderform ähneln können und die im Rahmen der Diagnose ausgeschlossen werden müssen, sind zum Beispiel:

  • UV-bedingte Lichtschäden der Blutgefäße der Haut
  • Haarbalgentzündungen
  • Kontaktekzeme, z.B. durch Allergien oder Giftstoffe
  • Mundrose (periorale Dermatitis)

Bei genauer Betrachtung kann der Hautarzt die Rosacea jedoch in der Regel klar von anderen Hautproblemen abgrenzen. Im Zweifel kann der Arzt eine Gewebeprobe (Biopsie) entnehmen, die im Labor feingeweblich unter dem Mikroskop untersucht wird. Rosacea verursacht jedoch keine typischen Veränderungen des Gewebes, die sich unter dem Mikroskop erkennen lassen. Die Gewebeprobe dient daher eher dazu, andere Hauterkrankungen auszuschließen.

Im Rahmen der Diagnose stellt der Arzt nicht nur Rosacea fest, sondern bestimmt auch das Stadium und achtet darauf, ob eine Sonderform vorliegt. Nur so lässt sich die richtige Behandlung wählen. Bei einer gramnegativen Rosacea ist die Diagnose und damit die Unterscheidung von einer Rosacea papulopustulosa (= Rosacea-Stadium 2) mithilfe eines Bakteriennachweises möglich.

5. Rosacea-Behandlung vielfältig

Die Rosacea-Behandlung umfasst verschiedene Möglichkeiten und wird auf die Beschwerden und Bedürfnisse des Betroffenen angepasst. Der erste Schritt ist immer, die Einflussfaktoren herauszufinden, welche individuell zu einem Krankheitsschub führen können. Diese sollten konsequent gemieden werden. Einige allgemeine Verhaltenstipps können dabei helfen:

Achten Sie auf einen umfassenden Schutz vor UVA- und UVB-Strahlung – am besten über das gesamte Jahr hinweg. Bei einer Rosacea ist im Rahmen der Behandlung ein umfassender Schutz vor beiden Arten der UV-Strahlung besonders wichtig.

Verzichten Sie auf Seife zur Hautreinigung. Seifen erhöhen den pH-Wert der Haut. Sie wird weniger widerstandsfähig und reagiert oftmals gereizt. Bei Rosacea sollten Sie zur Pflege pH-neutrale Produkte, die auch für empfindliche Haut geeignet ist.

Verwenden Sie bei Rosacea zur Pflege keine Produkte, die Substanzen enthalten, welche dafür sorgen, dass sich die Haut zusammenzieht. Nicht empfehlenswert sind beispielsweise Menthol und Kampfer. Auch Emulgatoren wie Natriumlaurylsulfat sind bei Rosacea oftmals problematisch.

Es gibt bei Rosacea keine spezielle Ernährung, mit der die Symptome vollständig verschwinden. Es gibt jedoch einige Speisen und Getränke, die Gesichtsrötungen begünstigen. Das können unter anderem Alkohol, scharf gewürzte Speisen oder auch heiße Getränke sein.

Vielen Betroffenen hilft es, Stress zu vermeiden und sich gezielt zu entspannen. Dabei können zum Beispiel Entspannungsverfahren wie Yoga oder Autogenes Training helfen. Auch Sport hilft, Stress abzubauen.

Männer mit Rosacea sollten auf die Nassrasur verzichten, da diese die Haut stark reizt.

Neben diesen allgemeinen Maßnahmen gibt es verschiedene medikamentöse Möglichkeiten der Rosacea-Behandlung. Die Wirkstoffe können entweder äußerlich (topisch), innerlich (systemisch) oder innerlich und äußerlich kombiniert angewendet werden.

Äußerliche (topische) Rosacea-Behandlung: Creme, Salbe, Gel und mehr

Reicht eine angepasste Pflege allein nicht mehr aus, lässt sich Rosacea mit einer Creme, Salbe oder einer anderen Zubereitung zur äußerlichen Anwendung behandeln. Rosacea kann jedoch nicht geheilt werden. Die Maßnahmen behandeln nur die Symptome.

Wirkstoffe, die bei Rosacea in Form von Creme, Gel, Salbe etc. eingesetzt werden, sind:

  • Metronidazol (am häufigsten zur Rosacea-Behandlung verwendeter Wirkstoff): Es wirkt entzündungshemmend und unterdrückt die Reaktion des Immunsystems. Es gibt u.a. Metronidazol-Salbe, -Creme und -Gel.
  • Azelainsäure: Sie wirkt entzündungshemmend und normalisiert die Verhornung der Haut und wird als Creme oder Gel angewendet.
  • Brimonidin: Durch den Wirkstoff ziehen sich die erweiterten Blutgefäße zusammen. Brimonidin gibt es als Gel zur Rosacea-Behandlung.
  • Ivermectin: Es wirkt entzündungshemmend und tötet Hautparasiten ab. Letzteres ist bedeutend, weil eine vermehrte Besiedlung mit Haarbalgmilben (Demodex-Milben) mit Rosacea in Verbindung gebracht wird.

Ob die Wirkstoffe bei Rosacea als Creme, Gel oder Salbe eingesetzt wird, hängt von dem Hautzustand ab. Bei trockener Haut eignen sich Cremes. Bei fettiger Haut oder Hitzegefühlen ist dagegen eher ein kühlendes Gel empfehlenswert.

Darüber hinaus gibt es verschiedene Wirkstoffe, die in Deutschland zwar nicht für die Rosacea-Behandlung zugelassen sind, aber aufgrund positiver Erfahrungen gelegentlich dazu eingesetzt werden. Mediziner sprechen dann von einem Off-Label-Use. Das bedeutet, dass der Wirkstoff zwar zugelassen ist, jedoch nicht speziell für die Rosacea-Therapie. Dennoch können mit diesen Mitteln oft gute Ergebnisse erzielt werden. Wirkstoffe, die im Off-Label-Use bei der Rosacea-Behandlung eingesetzt werden, sind beispielsweise:

  • Permethrin
  • Doxycylin
  • Retinaldehyd

Systemische Rosacea-Behandlung

Bekommt man mit Gel oder Creme gegen Rosacea die Symptome nicht ausreichend in den Griff, kann eine systemische Behandlung in Form von Tabletten sinnvoll sein − gegebenenfalls in Kombination mit einer topischen Rosacea-Behandlung. Hautärzte verschreiben dazu in der Regel das Antibiotikum Doxycylin.

Wenn die Tabletten abgesetzt werden, kehren die Symptome oftmals schnell wieder zurück. Deshalb ist es sinnvoll, anschließend die Rosacea-Behandlung mit Creme, Salbe oder anderen Zubereitungen zur äußerlichen Anwendung fortzusetzen. So gelingt es oftmals, das Hautbild über einen längeren Zeitraum zu verbessern.

Rosacea-Behandlung mit Laser und Operation

Gegen große Knötchen und starke Schwellungen sowie vermehrtes Binde- und Talgdrüsengewebe können Medikamente bislang wenig ausrichten. Jedoch kann bei einer fortgeschrittenen Rosacea eine Laser-Behandlung helfen. Auch vergrößerte Blutgefäße, die als rote Adern im Gesicht sichtbar werden (Teleangiektasien), sind auf diese Weise behandelbar. Bei fleckigen Erythemen ist der Erfolg des Lasers dagegen gering.

In schweren Fällen ist es mitunter notwendig, wucherndes Binde- oder Talgdrüsengewebe abzutragen. Dadurch kann verhindert werden, dass sich zum Beispiel ein Rhinophym bildet, welches Betroffene im Alltag stark belastet. Auch das eignet sich bei Rosacea eine Laser-Behandlung. Ausschichtsreicher ist bei einem Rhinophym jedoch eine Operation. Geeignete Verfahren sind die Dermabrasion und das Dermashaving. Bei der Dermabrasion schleift der Arzt das überschüssige Gewebe mithilfe einer feinen Fräse ab. Beim Dermashaving entfernt er das Gewebe mit dem Skalpell, einer scharfen ringförmigen Kürette oder einer Rasierklinge.

Sonderformen auch bei der Rosacea-Therapie beachten

Sonderformen der Rosacea bedürfen einer speziellen Behandlung. Oftmals ist dies nicht einfach. Etwa die Therapie der Rosacea der Augen (Ophthalmorosacea) ist noch nicht gut erforscht. Geläufige Behandlungsmaßnahmen je nach Ausprägung sind zum Beispiel:

  • besondere Lidrandhygiene (Entfernen von Sekret)
  • lipidhaltige Tränenersatzmittel, hauptsächlich in Form von Augengel
  • Augentropfen mit Wirkstoffen wie Cyclosporin
  • Eincremen der Augenlider mit einer Pimecrolimus-haltigen Hautcreme
  • bei schwerem Verlauf Doxycylin-Tabletten

6. Rosacea-Verlauf − von leicht bis schwer ist alles möglich

Bislang kann man Rosacea nicht heilen. Die Kupferrose bleibt dauerhaft (chronisch) bestehen. Mit einer angemessenen Behandlung lassen sich die Symptome aber meist gut kontrollieren und Komplikationen (z.B. Sehstörungen bei einer Rosacea der Augen) verhindern.

Bei einer Rosacea ist der Verlauf individuell sehr unterschiedlich. Manche Betroffene durchlaufen das Vorstadium und alle drei Rosacea-Stadien nacheinander. Doch nicht immer schreitet die Hautkrankheit weiter fort. Bei vielen Menschen bleiben die Symptome über einen langen Zeitraum weitgehend unverändert. Man kann den Rosacea-Verlauf beeinflussen, indem man individuelle Auslöser vermeidet. Dies können zum Beispiel Alkohol, scharf gewürzte Speisen oder Getränke sein.

Rosacea kann zur psychischen Belastung werden

Unschöne Hautrötungen auf Nase und Wangen sind meist kosmetischer Natur, können jedoch die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken.

Rosacea hat nicht nur kosmetische Auswirkungen. Viele Betroffene leiden auch seelisch sehr unter den äußerlichen Veränderungen. Oft meiden sie den Umgang mit anderen, weil sie sich mit ihrem Aussehen unwohl fühlen oder sich sogar dafür schämen. Vereinsamung und Depressionen sind deswegen nicht selten. Darüber hinaus leidet oftmals das Sozialleben. Besonders eine schwere Rosacea mit starken Rötungen und Pusteln wird häufig von Außenstehenden fälschlicherweise als Zeichen einer mangelnden Körperpflege oder Verwahrlosung angesehen. Problematisch ist auch die Vermehrung von Binde- und Talgdrüsengewebe, vor allem an der Nase (Rhinophym). Die gerötete, vergrößerte Nase wird von anderen Menschen oftmals als Folge eines übermäßigen Alkoholkonsums („Säufernase“) fehlinterpretiert. Mitunter führt dies zu sozialer Ausgrenzung.

Viele Betroffene haben den Wunsch, die Anzeichen ihrer Rosacea abzudecken. Mit Make-Up ist dies möglich. Die verwendeten Produkte sollten auch für empfindliche und fettige Haut geeignet sein − dann ist sie oftmals auch bei Rosacea verträglich.

7. Rosacea vorbeugen?

Der Hauterkrankung Rosacea kann man nicht vorbeugen. Es ist jedoch möglich, das Auftreten von Schüben und die Verschlechterung der Symptome zu verhindern oder aufzuschieben. Wenn man Rosacea-Schüben vorbeugen möchte, ist es entscheidend, die persönlichen Auslöser zu kennen. Das kann zum Beispiel Alkohol, Kosmetika, bestimmte Nahrungsmittel oder Stress sein.

Darüber hinaus ist bei Rosacea ein Sonnenschutz wichtig. Gesicht, Hals und Dekolleté sollten grundsätzlich immer geschützt werden − und zwar nicht nur im Sommer.

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